Medizintechnik
allgemeine Informationen zur Feinwerktechnik
[Qualifikationsziel] [Einsatzmöglichkeiten]
[Wer soll sich bewerben?] [Studienangebot
und -aufbau]
Was ist eigentlich Medizintechnik?
Der Begriff Medizintechnik verbindet sich mit Bildern von Intensivstationen, in denen der Zustand von Patienten mit einer Vielzahl von elektronischen Messgeräten überwacht wird, mit Beschreibungen des Computereinsatzes in der Diagnose, mit Darstellungen implantierbarer Herzschrittmacher usw. Schwieriger wird es einen Studiengang Medizintechnik zu beschreiben. Bereits die Entwicklung vermeintlich einfacher Geräte - wie z.B. ein modernes EKG - Gerät bedarf der Spezialkenntnisse von Elektrotechnikern, Mechanikern, Naturwissenschaftlern, Informatikern und Ärzten. Hinzu kommen Fachleute, die sich mit Fragen der Produkthaftung und Sicherheitstechnik auskennen. Auf dem ersten Blick erscheint es aussichtslos, dies alles in einem Studiengang von 8 Semestern Dauer zu vereinen.
Der Fachbereich Feinwerktechnik in Wilhelmshaven stellte sich dieser Herausforderung und führt seit 1980 als eine der ersten Hochschulen in Deutschland die Studienrichtung Technik im Gesundheitswesen (heute Medizintechnik) und das mit großem Erfolg. Wir waren uns von Anfang an einig, dass in einem derartigen Studiengang zunächst eine ingenieurwissenschaftliche Basisausbildung enthalten sein sollte. Hierfür ist die Feinwerktechnik besonders geeignet, liefert sie doch in ihren Ausbildungsinhalten die Grundlagen für Entwicklung und Konstruktion von Geräten auf der Basis eines breiten technisch- naturwissenschaftlichen Wissens. Hinzu kommen Fächer, die auf das Berufsfeld an der Schnittstelle Apparatemedizin – Mensch vorbereiten. Hier seien beispielhaft die Fachgebiete Physiologie, Mikrobiologie, Hygiene, aber auch Qualitäts- und Sicherheitstechnik genannt.
Medizintechnik steht auch in Verbindung zur Umwelttechnik, wenn Umwelttechnik als Zielrichtung verstanden wird, dem Menschen zu dienen, seine Gesundheit zu erhalten. Konsequenterweise tritt hierbei ein anderer Fächerschwerpunkt in den Vordergrund. Der Fachbereich hat diesen Aspekt durch eine eigenständige Studienrichtung Umwelttechnik verwirklicht.
Welche Qualifikationsziele verfolgt der Studiengang
Medizintechnik?
Ziel des Studienganges Medizintechnik ist es Studierende zu einem anerkannten
Studienabschluss zu führen, der es ihnen ermöglicht mit sozialer Kompetenz
in allen Bereichen der Technik des Gesundheitswesens tätig zu werden. Eigenverantwortliches
Handeln unter Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und
sozialer Folgen. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums werden Absolventinnen
und Absolventen in der Lage sein,
 |
mit Teamfähigkeit technische Problemlösungen zu finden, die
nutzbringend im Bereich Mensch-Natur-Umwelt eingesetzt werden können,
|
 |
über medizinische Grundkenntnisse zu verfügen, um in technischen
Fragestellungen als sozial kompente Ansprechpartner sowohl für Ärzte
als auch Patienten fungieren zu können, |
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mit nachhaltiger Grundlagenausbildung in Mathematik und Naturwissenschaften
für das "Lebenslange Lernen" gut gerüstet zu sein, |
 |
Kenntnisse aus der Elektrotechnik, Messtechnik und Sensorik einzusetzen,
um vielfältige Aufgaben im Bereich der Medizin- und Umwelttechnik lösen
zu können, |
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den Einsatz unterschiedlicher Bauelemente, Materialien und Werkstoffe
unter medizinischen, hygienischen und umwelttechnischen Gesichtspunkten
zu planen, |
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mit Methodenkompetenz Produkte zu konzipieren, diese unter systematischen
Gesichtspunkten zu konstruieren und bis hin zur Fertigungsreife zu entwickeln, |
 |
mit Grundkenntnissen aus der Steuerungs- und Regelungstechnik sowie aus
der Informationsverarbeitung komplexe Systeme zu verstehen und gestalten, |
 |
mit Kenntnissen einschlägiger Gesetzte und Verordnungen vertraut
zu sein, |
 |
über sprachliche, schriftliche und grafische Kommunikationstechniken
zu verfügen, insbesondere unter Zuhilfenahme moderner Informationstechnologien, |
 |
Aufgaben in der Praxis mit Motivation, Einfallsreichtum und Kostenbewusstsein
anzugehen, sich dabei aber immer der gesellschaftlichen Verantwortung der
Ingenieurin bzw. des Ingenieurs bewusst zu sein. |
Welche Einsatzmöglichkeiten haben Sie und wie sieht
das spätere Berufsbild aus?
Ingenieurinnen und Ingenieure der Fachrichtung Medizintechnik finden Berufsfelder
im gesamten Bereich des Gesundheitswesens und der Umwelttechnik. Mehr noch,
durch ihre fundierte ingenieurwissenschaftliche Grundausbildung sind auch Einsatzmöglichkeiten
in "fremden" Branchen möglich. Viele unserer bisherigen Absolventen
und Absolventinnen sind gefragte Fachkräfte in z.B. Automobilunternehmen,
denn durch Ihre Ausbildung sind sie besonders für Entwicklungsaufgaben
im Bereich "menschennaher" Technik prädestiniert. Insbesondere
finden sich Aufgabenfelder im Bereich der
 |
Medizintechnischen Industrie (Diagnosegeräte, Rehabilitationstechnik,
Implantationstechnik) |
 |
Einrichtungen des gesamten Gesundheitswesens (Krankenhäuser, Praxen) |
 |
Öffentlicher Bereich (Behörden, Umweltüberwachung), |
 |
Beauftragtenwesen (Arbeitsschutz, Strahlenschutz, Qualitätssicherung,
Umweltschutz) |
Die Liste ist beispielhaft. So vielfältig wie die Aufgaben sind die Tätigkeitsfelder
 |
Entwicklung, Konstruktion |
 |
Service, Qualitätssicherung, |
 |
Projektmanagement, |
 |
Vertrieb, Kundendienst und Beratung |
Die Berufsaussichten gelten auch im nicht öffentlichen Bereich derzeit
und für die Zukunft als sehr gut.
Wer sollte sich für den Studiengang Medizintechnik
bewerben?
Medizintechnik als Studiengang ist für diejenigen interessant, die sich im Spannungsfeld Mensch - Natur - Technik beruflich entfalten wollen. Der zuvorkommende Umgang mit Menschen und Freude an moderner Technik sollte für Bewerberinnen und Bewerber selbstverständlich sein.
Insbesondere ruft der Fachbereich junge Frauen auf, sich für den Studiengang Medizintechnik zu bewerben. Gerade in diesem Studiengang können junge Frauen ihre vermeintlichen Stärken in sozialer Kompetenz einbringen.
Wie sieht das Studienangebot aus?
Wie alle anderen Studiengänge des Fachbereichs Feinwerktechnik gliedert
sich der Diplomstudiengang Medizintechnik in ein Grundstudium
mit 3 Semestern und in ein Hauptstudium mit 5 Semestern.
Im Grundstudium (Semester 1 bis 3) werden die
Grundbausteine dieses Fachgebietes wie Mathematik, Datenverarbeitung, Elektrotechnik,
Mechanik, Physik, Chemie, Werkstoffkunde, Messtechnik, Konstruktion und Fertigung
vermittelt. Der Fachbereich empfiehlt, während dieser Zeit im Hinblick
auf die Internationalisierung des Arbeitsmarktes, die englischen Sprachkenntnisse
zu schulen bzw. zu vertiefen. Schwergewicht des Grundstudiums ist die Vermittlung
eines ingenieurwissenschaftlichen Fundamentes. Spezifische medizintechnische
Fächer treten während dieser Zeit in den Hintergrund um einen eventuellen
Wechsel in andere Studiengänge ohne Zeitverlust zu ermöglichen.
Das Grundstudium wird mit einer Zwischenprüfung
(Vordiplom) abgeschlossen.
Im Hauptstudium muss zwischen zwei Studienrichtungen
- Medizintechnik und Umwelttechnik
- entschieden werden. Während die erste Richtung durch Fächergruppen
wie Systemtechnik, Sicherheitstechnik, Medizintechnik und Betriebswissenschaften
auf eine Tätigkeit im Gesundheitswesen hinzielt, wird in der zweiten Richtung
durch Fachgruppen wie z.B. Messtechnik, Biologie und Umweltschutz auf für
Arbeitsfelder in der Umwelttechnik vorbereitet. In beiden Studienrichtungen
können durch Wahlpflichtfächer Kenntnisse insbesondere im Bereich
des Arbeitsschutzes und der Sicherheitstechnik vertieft werden.
Im 5. und 8. Fachsemester sind Praxissemester in der Industrie vorgesehen (im
8. Semester als Diplomarbeit). Praxissemester im Ausland werden vom Fachbereich
ausdrücklich empfohlen und unterstützt. Hier kann dieser Studiengang
von den guten Erfahrungen aus dem "Nachbarstudiengang" Biomedical Engineering
profitieren. Um einen Eindruck von dem zu gewinnen was einen Studenten im Praxissemester
erwartet, kann man die Kurzberichte
lesen.
Der Studiengang Medizintechnik ist auf die anderen Studiengänge des Fachbereichs abgestimmt , so dass Transfermöglichkeiten bis zum 4. Semester ohne Zeitverlust möglich sind. Die einzelnen Fächer sind nach dem ECTS (European Credit Transfer System) bewertet und beschrieben, so dass auch Fächer, die an anderen Hochschulen im In- oder Ausland absolviert werden, unbürokratisch wechselseitig anerkannt werden können.
Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums wird der Titel Dipl.-Ing. (FH) vergeben,
der insbesondere in der Industrie hoch anerkannt ist. International ist dieser
Titel mit einem "hochwertigen" Bachelor vergleichbar (B.Sc. with honors,
B.Eng. with thesis etc.).
Aufbau des Hauptstudiums:
(für Vorlesungsinhalte siehe Vorlesungsverzeichnis)
Medizintechnik
| Lehrveranstaltung |
4. Semester
V/L |
6. Semester
V/L |
7. Semester
V/L |
ECTS-Credits |
| Datenverarbeitung 2 |
|
2/2 |
|
6 |
| Regelungstechnik |
|
4/1 |
|
5 |
| Elektr. Meßtechnik |
4/1 |
|
|
5 |
| Konstruktion |
4/0 |
|
|
4 |
| Konstruktionsübungen |
|
0/4 |
|
8 |
| Technische Optik |
3/1 |
|
|
4 |
| Fertigung 2 |
3/1 |
|
|
4 |
| Kunststofftechnologie |
|
3/1 |
|
4 |
| Werkstoffe der Medizintechnik |
|
|
2/0 |
2 |
| Sicherheitstechnik |
|
2/0 |
0/2 |
6 |
| Radiologie und Strahlenschutz |
|
3/1 |
|
4 |
| Qualitätssicherungssysteme |
|
|
4/0 |
4 |
| Strömungslehre |
4/0 |
|
|
4 |
| Mikrobiologie |
2/2 |
|
|
6 |
| Hygiene in der Medizintechnik |
2/0 |
|
|
2 |
| Medizinische Elektronik |
|
4/0 |
|
4 |
| Medizintechnik |
2/0 |
|
|
2 |
| Physiologie |
2/0 |
|
|
2 |
| Grundl. apparatemed. Anwendungen |
|
|
3/0 |
3 |
| Krankenhausbetriebslehre |
|
|
4/0 |
4 |
| Recht |
|
|
2/0 |
2 |
| Wahlpflichtfächer |
5 (verteilt über das HS) |
5 |
Für das 5. Semester ist das Praxissemester vorgesehen, und im 8. Semester wird
die Diplomarbeit angefertigt.
Umwelttechnik
| Lehrveranstaltung |
4. Semester
V/L |
6. Semester
V/L |
7. Semester
V/L |
ECTS-Credits |
| Datenverarbeitung 2 |
|
2/2 |
|
6 |
| Steuerungstechnik |
3/1 |
|
|
4 |
| Regelungstechnik |
|
4/1 |
|
5 |
| Konstruktion |
4/0 |
|
|
4 |
| Konstruktionsübungen |
|
0/4 |
|
8 |
| Elektr. Meßtechnik |
4/1 |
|
|
5 |
| Radiologie und Strahlenschutz |
|
3/1 |
|
4 |
| Umweltsimulations- und -meßtechnik |
|
4/0 |
0/2 |
8 |
| Thermodynamik |
3/0 |
|
|
3 |
| Strömungslehre |
4/0 |
|
|
4 |
| Technikfolgenabschätzung |
|
|
4/0 |
4 |
| Mikrobiologie |
2/2 |
|
|
6 |
| Toxikologie |
|
|
2/0 |
2 |
| Biochemie |
2/0 |
|
|
2 |
| Hygiene in der Umwelttechnik |
2/0 |
|
|
2 |
| Luftreinhaltung |
|
|
2/0 |
2 |
| Lärmabwehr |
|
|
2/0 |
2 |
| Gewässerschutz |
|
|
2/0 |
2 |
| Erneuerbare Energie |
|
4/2 |
|
6 |
| Recht |
|
|
2/0 |
2 |
| Wahlpflichtfächer |
9 (verteilt über das HS) |
9 |
Für das 5. Semester ist das Praxissemester vorgesehen, und im 8. Semester wird
die Diplomarbeit angefertigt.
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